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Die dunkle Seite der Stille: Wenn Meditation anstrengend wird 9:08 Lena: Jackson, wir haben jetzt viel über die Vorteile gesprochen, aber ich muss noch mal auf meinen Freund zurückkommen. Er meinte neulich, an manchen Tagen fühlt er sich nach dem Meditieren eigentlich noch erschöpfter als vorher. Er sitzt da, versucht sich zu konzentrieren, und am Ende ist er einfach nur frustriert, weil sein Kopf nicht still war. Kann Meditation auch nach hinten losgehen?
9:30 Jackson: Das ist ein ganz wichtiger Punkt, den du da ansprichst. Es gibt nämlich dieses Phänomen, dass man Meditation als eine Art „Leistung“ betrachtet. Gerade als Unternehmer ist man ja darauf programmiert, Ziele zu erreichen. Und dann sitzt man da und will „erfolgreich entspannen“. Aber genau dieser Leistungsdruck ist das Gegenteil von Meditation. Man hat da neulich was in Untersuchungen gesehen, dass manche Menschen durch Meditation sogar unruhiger werden, weil sie sich zu sehr zwingen, ihren Kopf leer zu machen.
9:58 Lena: Ja, genau das! Er meinte, er kämpft richtig gegen seine Gedanken an. Als wäre sein Gehirn ein wildes Tier, das er bändigen muss.
10:06 Jackson: Und genau dieser Kampf erzeugt neuen Stress. Da gibt’s so eine Vergleichstabelle aus der Forschung, die zeigt, dass „falsches“ Meditieren sich fast wie eine emotionale Selbstverstümmelung anfühlen kann. Wenn man sich zwingt, still zu sitzen, obwohl der Körper gerade vor Stress schreit, dann ignoriert man seine eigenen Signale. Das kann dazu führen, dass man sich am Ende noch entfremdeter fühlt.
3:26 Lena: Krass, das hätte ich nicht gedacht. Also ist dieses „Einfach-durchbeißen“ hier der falsche Weg?
10:33 Jackson: Absolut. Man muss halt lernen, sanft mit sich zu sein. Ein guter Indikator ist: Wenn die Meditation dazu führt, dass du dich danach „müde und leer“ fühlst, statt „klar und präsent“, dann stimmt vielleicht die Intensität oder die Methode nicht. Vielleicht ist für jemanden in einer extremen Krise ein 20-minütiger Body Scan im Liegen viel besser als 20 Minuten stilles Sitzen, bei dem man nur gegen seine Panik ankämpft. Der Body Scan hilft nämlich dabei, die Verbindung zum Körper wiederherzustellen, ohne dass man sich direkt auf die quälenden Gedanken stürzen muss.
11:06 Lena: Das mit dem Body Scan hab ich auch schon mal gehört. Da geht man gedanklich den Körper von Kopf bis Fuß durch, oder? Mein Bekannter meinte, er spürt dabei oft erst, wie fest sein Kiefer eigentlich zusammengepresst ist oder wie hochgezogen seine Schultern hängen.
11:20 Jackson: Genau das ist der Punkt. Wir leben oft so sehr in unserem Kopf, dass wir die physischen Signale von Stress gar nicht mehr wahrnehmen, bis es wehtut. Der Body Scan ist da wie ein Frühwarnsystem. Wenn man lernt, diese Verspannungen wahrzunehmen, ohne sie sofort weghaben zu wollen, dann entspannt sich das System oft von ganz allein. Man nennt das „nicht-wertendes Gewahrsein“. Es ist halt ein Unterschied, ob ich denke „Mist, mein Nacken ist schon wieder total verspannt“ oder ob ich es einfach nur registriere: „Ah, da ist Spannung.“
11:49 Lena: Und weisst du, was das Spannende daran ist? Wenn man diese Signale früher bemerkt, kann man wahrscheinlich auch im Alltag früher gegensteuern, bevor man den nächsten Mitarbeiter anpflaumt oder eine impulsive Entscheidung trifft.
3:40 Jackson: Eben drum. Es geht darum, die Stressresistenz nicht durch „Härte“ aufzubauen, sondern durch „Wahrnehmung“. Wer merkt, dass er gerade in den „Tunnelblick“ gerät, kann kurz innehalten und vielleicht nur für eine Minute die Aufmerksamkeit auf die Füße auf dem Boden lenken. Das nennt man Erdung. Das holt einen aus dem Gedankenkarussell zurück in die Realität. Unterm Strich geht es darum, Meditation als Unterstützung zu sehen und nicht als eine weitere Aufgabe auf der To-do-Liste, die man perfekt erledigen muss.