5:27 Lena: Wenn du sagst, die Jedi werden zu Generälen – das ist doch eigentlich genau das, was wir in „The Clone Wars“ sehen, oder? Diese riesige Lücke zwischen Episode II und III. Ich hab mich immer gefragt, warum diese Serie so wichtig für die Timeline ist. Ich meine, unterm Strick wissen wir doch, wie es ausgeht: Anakin wird böse, die Klone drehen durch, Feierabend.
5:46 Miles: Ja, klar, das Ziel kennen wir. Aber weißt du, was das Faszinierende ist? Ohne „The Clone Wars“ verstehst du eigentlich gar nicht, *warum* Anakin so tief fällt. Die Serie spielt in den drei Jahren zwischen 22 BBY und 19 BBY. Das klingt kurz, aber in dieser Zeit wird die gesamte Galaxis einmal durch den Fleischwolf gedreht. Anakin ist da nicht mehr nur der etwas quengelige Padawan aus „Attack of the Clones“, der keinen Sand mag. Er wird zu einem Kriegshelden. Er übernimmt Verantwortung für tausende Soldaten. Und er bekommt eine eigene Schülerin: Ahsoka Tano.
6:19 Lena: Stimmt, Ahsoka! Die ist ja mittlerweile fast so etwas wie das Bindeglied für die ganze Saga. Aber in der offiziellen Timeline der Filme kam sie ja ursprünglich gar nicht vor.
6:29 Miles: Genau, und das ist eben der Punkt, wo die neuen Serien die Timeline so richtig tiefgreifend erklären. Ahsoka verlässt den Jedi-Orden gegen Ende der Klonkriege, weil sie sich von den Jedi verraten fühlt. Sie wird für einen Bombenanschlag verantwortlich gemacht, den sie nicht begangen hat. Und als die Jedi dann merken, dass sie falsch lagen und sie zurückhaben wollen, sagt sie: „Nee, Leute, ohne mich.“ Und stell dir mal vor, was das mit Anakin macht! Sein Vertrauen in den Rat der Jedi war eh schon angeknackst, aber dieser Moment ist wie ein Brandbeschleuniger für seinen späteren Fall in „Revenge of the Sith“.
6:59 Lena: Also ist der „Fall der Jedi“ eigentlich kein plötzliches Ereignis, sondern eher so ein langsames Ausbluten.
7:06 Miles: Absolut. Und während Anakin emotional zerbricht, passiert auf der politischen Ebene genau das Gleiche. Palpatine lässt sich immer mehr Notstandsvollmachten geben. Er erschafft eine Krise – den Krieg gegen die Separatisten –, um sich selbst unentbehrlich zu machen. Das ist das, was man in der Timeline oft übersieht: Die Klonkriege waren eine einzige große Falle. Beide Seiten wurden von derselben Person gesteuert. Die Klone auf der einen Seite, die Droidenarmee von Count Dooku auf der anderen. Am Ende war es völlig egal, wer eine Schlacht gewinnt, solange der Krieg weitergeht und die Leute nach Sicherheit und Ordnung schreien.
7:46 Lena: Und diese „Sicherheit“ bekommen sie dann im Jahr 19 BBY mit der Order 66. Das ist ja wahrscheinlich der wichtigste Fixpunkt der ganzen Timeline, abgesehen von der Schlacht von Yavin, oder?
7:58 Miles: Ohne Zweifel. 19 BBY ist das Jahr, in dem die Welt, wie man sie kannte, aufhört zu existieren. Die Jedi werden von ihren eigenen Soldaten, den Klonen, erschossen. Anakin wird zu Darth Vader. Padmé stirbt bei der Geburt von Luke und Leia. Und Palpatine ruft das erste Galaktische Imperium aus. Damit beginnt die Ära „Reign of the Empire“ – die Herrschaft des Imperiums. Und wenn man sich das mal auf der Zeitachse anschaut: Diese dunkle Zeit dauert fast zwanzig Jahre an, bis wir überhaupt bei Luke Skywalker und „A New Hope“ ankommen.
8:34 Lena: Zwanzig Jahre! Das ist eine verdammt lange Zeit, in der es eigentlich keine Hoffnung gab. Aber da setzt ja jetzt auch viel von dem neuen Material an, oder? Ich denke da an „The Bad Batch“ oder die „Obi-Wan Kenobi“-Serie.
8:47 Miles: Ja, und das ist echt düsterer Stoff. „The Bad Batch“ setzt wirklich unmittelbar nach der Order 66 an. Da geht es um diese Elite-Einheit von Klonen, die genetisch ein bisschen anders sind und deshalb den Befehl, ihre Jedi-Generäle zu töten, nicht einfach so ausgeführt haben. Die müssen jetzt zusehen, wie ihre Brüder – die normalen Klone – plötzlich zu hirnlosen Werkzeugen eines totalitären Systems werden. Und wir sehen da auch die Anfänge von etwas, das später für die Sequels noch wichtig wird: Palpatines „Projekt Necromancer“. Da wird schon ganz früh mit Klon-Technologie experimentiert, um das ewige Leben zu sichern. Das ist so ein Detail, das die Timeline heute viel runder macht als noch vor zehn Jahren.
9:25 Lena: Und Obi-Wan? Der sitzt derweil in seiner Höhle auf Tatooine und wartet darauf, dass Luke groß wird?
9:31 Miles: Na ja, in der Serie, die im Jahr 9 BBY spielt – also genau in der Mitte zwischen dem Fall der Republik und der Zerstörung des Todessterns –, sehen wir, dass er eben nicht nur rumsitzt. Er ist ein gebrochener Mann. Er hat alles verloren: seinen besten Freund, seinen Orden, seinen Glauben. Und dann muss er doch wieder raus, um die junge Prinzessin Leia zu retten. Das ist übrigens ein super cleverer Kniff für die Timeline, weil es erklärt, warum Leia in „A New Hope“ diese verzweifelte Nachricht an ihn schickt: „Helfen Sie mir, Obi-Wan Kenobi. Sie sind meine letzte Hoffnung.“ Die beiden hatten eben schon eine gemeinsame Geschichte, von der wir früher nichts wussten.
10:04 Lena: Das macht Sinn. Es verknüpft die losen Enden. Aber sag mal, in dieser Zeit – also zwischen 19 BBY und 0 BBY – gibt es da nicht auch noch Cal Kestis aus den Videospielen? Der passt doch da auch irgendwo rein, oder?
10:18 Miles: Oh ja, Cal ist ein super Beispiel dafür, wie man die Timeline heute erweitert. „Jedi: Fallen Order“ spielt 14 BBY, also fünf Jahre nach der Säuberung. Und der Nachfolger „Jedi: Survivor“ spielt 9 BBY, also zeitgleich mit der Obi-Wan-Serie. Da sieht man mal, wie viele Jedi eigentlich doch überlebt haben – nur eben im Verborgenen. Cal ist ständig auf der Flucht vor den Inquisitoren, das sind diese ehemaligen Jedi, die zur dunklen Seite übergelaufen sind und jetzt für Vader Jagd auf ihre eigenen Leute machen. Das zeigt einfach, wie gnadenlos das Imperium in dieser Ära war. Es gab kein Entkommen, keine sicheren Häfen. Außer vielleicht... der „Verborgene Pfad“.
Lena: Der was?
10:56 Miles: Der „Verborgene Pfad“ – das ist wie so eine Art Underground Railroad für Machtsensitive. Das wird sowohl in „Obi-Wan Kenobi“ als auch in „Jedi: Survivor“ erwähnt. Solche kleinen Querverweise sind Gold wert, wenn man die Timeline wirklich verstehen will, weil sie zeigen, dass der Widerstand nicht erst mit Luke Skywalker angefangen hat. Er war immer da, aber er war am Anfang eben nur ein Flüstern in dunklen Ecken.