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Mikronährstoffe und die Magie der Cofaktoren 4:56 Jackson: Jetzt haben wir über die großen Brocken geredet, aber was ist mit den "kleinen Helfern", die du vorhin erwähnt hast? Mikronährstoffe – Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente. Wenn die keine Energie liefern, was machen die dann den ganzen Tag in meinem Körper?
5:10 Lena: Das ist der Punkt, den viele unterschätzen. Stell dir vor, du hast einen riesigen Haufen Baumaterial und genug Benzin, aber keinen einzigen Arbeiter, der weiß, wie man einen Schraubenschlüssel hält. Das sind die Mikronährstoffe. Biochemisch nennen wir die oft Cofaktoren oder Coenzyme. Ich hab da neulich eine gute Erklärung zu Magnesium gesehen. Das ist ein essenzieller Cofaktor für über 300 Enzyme im Körper!
5:34 Jackson: Über 300? Das ist ja Wahnsinn. Was macht das Magnesium da genau?
5:39 Lena: Pass auf, nimm mal die Glykolyse – also den Prozess, wie dein Körper aus Zucker Energie macht. Da gibt es einen Schritt, wo Magnesium an das Energiemolekül ATP binden muss. Ohne dieses Magnesium-Ion kann das Enzym Hexokinase den Zucker gar nicht richtig "greifen" und umwandeln. Das heißt: Du kannst so viel Zucker im Blut haben, wie du willst – wenn das Magnesium fehlt, kriegst du die Energie nicht in die Zelle. Die Maschine verhungert quasi vor dem vollen Napf.
6:04 Jackson: Echt jetzt? Das würde ja erklären, warum man sich bei einem Mangel so schlapp fühlt, obwohl man eigentlich genug gegessen hat.
6:11 Lena: Ganz genau. Und das gilt für fast alle Mikros. Zink zum Beispiel ist an über 300 enzymatischen Reaktionen beteiligt. Das ist wie so ein Universalschlüssel. Es hilft bei der Zellteilung, bei der Wundheilung und sorgt dafür, dass dein Immunsystem die richtigen Signale sendet. Wenn du zu wenig Zink hast, ist das so, als würden deine Abwehrzellen zwar bereitstehen, aber sie haben keinen Funkkontakt zueinander.
6:33 Jackson: Und Vitamine? Die sind ja organisch, im Gegensatz zu den Mineralstoffen, oder?
6:38 Lena: Richtig. Vitamine sind organische Verbindungen, die oft als Vorstufen für Coenzyme dienen. Nimm mal Vitamin C. Das ist nicht nur "gut gegen Erkältung", sondern ein entscheidendes Coenzym bei der Synthese von Kollagen. Kollagen ist das Protein, das deinen Körper zusammenhält – Haut, Sehnen, Knorpel. Vitamin C spendet bei der Herstellung eine sogenannte Hydroxylgruppe. Ohne das Zeug wird das Kollagen instabil. Das ist so, als würdest du versuchen, ein Auto mit Tesafilm statt mit Schweißnähten zusammenzuhalten.
7:05 Jackson: Da kommt halt noch was dazu: Man unterscheidet ja auch zwischen wasserlöslichen und fettlöslichen Vitaminen. Da hab ich mal was gehört, dass man bei den fettlöslichen sogar vorsichtig sein muss mit der Menge.
7:16 Lena: Stimmt, da hast du recht. Die wasserlöslichen, wie Vitamin C oder die B-Vitamine, spült der Körper meistens einfach raus, wenn es zu viel ist. Aber die fettlöslichen – A, D, E und K – die kann der Körper speichern, vor allem in der Leber und im Fettgewebe. Das ist wie ein Lagerraum in der Maschine. Wenn der überquillt, kann das tatsächlich toxisch werden. Da hat das Bundesinstitut für Risikobewertung, das BfR, auch immer mal wieder Warnungen zu, besonders bei Vitamin A.
7:43 Jackson: Aber Moment mal, du hast vorhin Spurenelemente erwähnt. Wo ist denn da eigentlich die Grenze zu den normalen Mineralstoffen? Ist das nur die Menge?
7:52 Lena: Im Grunde ja. Man sagt meistens: Wenn wir mehr als 50 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht davon im Körper haben, sind es Mengenelemente – wie Calcium, Magnesium oder Kalium. Alles darunter sind Spurenelemente. Eisen ist da so ein Grenzfall, aber meistens zählt man es zu den Spurenelementen, obwohl es so verdammt wichtig für den Sauerstofftransport ist. Ohne die 10 bis 15 Milligramm Eisen am Tag könntest du keinen Millimeter laufen, weil deine roten Blutkörperchen keinen Sauerstoff binden könnten.
8:20 Jackson: Das heißt, diese winzigen Mengen steuern eigentlich die ganz großen Prozesse?
8:25 Lena: Genau das ist die Magie der Biochemie. Die Mengen sind klein, aber die Wirkung ist fundamental. Ohne diese Mikros wäre die "komplexe Maschine" Mensch einfach nur ein Haufen lebloser Makronährstoffe. Erst durch die Vitamine und Spurenelemente kommt Leben in die Bude, weil sie die Reaktionen überhaupt erst in Gang bringen.