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Warum fertige Pläne meistens scheitern 2:59 Lena: Miles, wir müssen über Haushaltspläne reden. Ich hab mir neulich so einen wunderschönen, bunten Plan aus dem Internet ausgedruckt. Da stand genau drin: Montag Bad, Dienstag Staubsaugen, Mittwoch Fenster. Nach drei Tagen war ich so genervt, dass ich den Plan unter einem Stapel Zeitungen vergraben habe. Warum funktioniert das bei mir nicht?
3:18 Miles: Da bist du absolut nicht allein. Es gibt da eine ganz einfache Erklärung dafür, die ich in dem Podcast „Ordnung2go“ aufgeschnappt habe: Vorgefertigte Pläne scheitern meistens deshalb, weil sie eben nicht für dein individuelles Leben gemacht sind . Die gehen davon aus, dass jeder Dienstag gleich abläuft. Aber was ist, wenn das Kind krank wird oder du länger arbeiten musst? Dann bist du sofort „hinter dem Plan“ und das stresst mehr, als es hilft.
3:40 Lena: Ja, genau das ist es! Dieses Gefühl, versagt zu haben, weil man am Mittwoch die Fenster nicht geschafft hat. Man fühlt sich dann direkt wie der schlechteste Mensch der Welt, nur weil das Leben dazwischengekommen ist.
3:51 Miles: Eben drum. Ein Haushaltsplan sollte dich entlasten und nicht unter Druck setzen . Das Entscheidende ist halt, dass man sich erst mal fragt: Was gehört für mich überhaupt zum Haushalt? Und was brauche ich persönlich, damit die Ordnung bleibt? Stephanie von „Ordnung2go“ sagt zum Beispiel, dass man den Plan regelmäßig prüfen und anpassen muss. Er muss flexibel bleiben .
4:10 Lena: Das leuchtet mir ein. Also weg von der starren Liste hin zu etwas, das atmen kann. Aber wie fängt man da an, ohne direkt wieder in diesen Perfektionswahn zu verfallen? Ich neige ja dazu, dann gleich alles perfekt machen zu wollen – von der Beschriftung der Gewürzgläser bis zur Falttechnik der Unterhosen.
4:29 Miles: Oh ja, die Falle kenne ich. Aber da gibt es einen guten Rat: Fang klein an und bleib dran . Perfektion ist beim Putzen und Aufräumen oft der größte Killer für die Motivation. Es geht vielmehr darum, Systeme zu schaffen, die fast nebenbei funktionieren . Stell dir vor, dein Zuhause hätte einen „Job“ – es soll dich unterstützen, nicht dich beherrschen .
4:49 Lena: „Mein Zuhause hat einen Job“ – das ist ja mal ein interessanter Gedanke. Mein Zuhause arbeitet also für mich. Wenn ich das so sehe, dann ist ein Haushaltsplan eigentlich eher so was wie eine Stellenbeschreibung, damit die Bude weiß, was sie zu tun hat, oder?
5:04 Miles: Genau so kann man das sehen. Und wenn die Stellenbeschreibung zu kompliziert ist, kündigt der Mitarbeiter – also du – eben frustriert . Es geht darum, Routinen zu entwickeln, die sich natürlich anfühlen. Manche Leute sind zum Beispiel eher die „Maximin“-Typen, andere „Maximax“ – wir ticken da alle unterschiedlich, wie wir die Dinge angehen . Manche brauchen den totalen Überblick, anderen reicht es, wenn die Oberflächen frei sind.
5:25 Lena: Ich glaube, ich bin definitiv jemand, der visuelle Ruhe braucht. Wenn zu viel rumsteht, werde ich nervös. Das wird ja auch oft als „visueller Lärm“ bezeichnet, oder? Aber zurück zum Plan: Wenn ich mir jetzt selbst einen erstelle, was sind denn so die ersten Schritte, damit er diesmal länger als drei Tage hält?
5:42 Miles: Der erste Schritt ist eigentlich ein „Brain Dump“. Schreib erst mal alles auf, was dir im Kopf rumschwirrt, was erledigt werden muss . Dann schau dir an, was davon wirklich Priorität hat. Und ganz wichtig: Überleg dir, welche Fragen du dir immer wieder stellen kannst, um den Plan zu prüfen. Passt das noch zu meiner aktuellen Woche? Brauche ich hier vielleicht Hilfe? Es geht um Leichtigkeit, nicht um ein Korsett .
6:04 Lena: Ein Brain Dump für den Haushalt. Das klingt nach einem Plan, den ich heute Abend mal angehen kann. Aber weißt du, was mir noch auffällt? Manchmal scheitert es gar nicht am Plan, sondern an den ganz banalen Dingen – wie zum Beispiel diesem einen fiesen Fleck, der mich seit Wochen hämisch angrinst.