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Der digitale Urknall und die SMS-Revolution 5:10 Jackson: Wenn 1G der analoge Opa war, dann muss 2G ja der Moment gewesen sein, in dem die Welt plötzlich digital wurde, oder? Du meintest ja, das war der "Urknall". Was hat sich da technisch so fundamental geändert, dass man heute noch davon spricht?
5:24 Miles: Also, das Entscheidende war der Wechsel von analoger zu digitaler Technologie. GSM, also das "Global System for Mobile Communications", war in den 1990ern wirklich eine Sensation. Plötzlich waren die Geräte nicht mehr nur "tragbar", wenn man kräftige Oberarme hatte, sondern sie verdienten das Adjektiv "mobil" wirklich. Aber der wahre Hammer war: Mit 2G kam die SMS. Der "Short Message Service".
5:48 Jackson: Stimmt, die gute alte SMS. Aber ich hab gelesen, dass das am Anfang gar nicht so geplant war, dass jeder jedem Texte schickt, oder?
5:56 Miles: Ja, das ist eben das Spannende. Ursprünglich war das eher für technische Infos gedacht. Aber die Leute haben es geliebt. Und stell dir mal vor, damals war es eine Sensation, dass man "über die Grenze" telefonieren konnte! In den Anfängen zwar nur mit einer Handvoll europäischer Länder, aber das war echtes Roaming. Vorher war an der Grenze Schluss mit Funk.
6:14 Jackson: Und das ist ja auch das Netz, das jetzt abgeschaltet wird. Die Telekom plant das für den 30. Juni 2028. Das ist ja echt das Ende einer Ära. Aber warum hat 2G eigentlich so lange überlebt? Wir haben doch schon längst 4G und 5G.
6:30 Miles: Das liegt an der Zuverlässigkeit und der Reichweite. 2G nutzt vor allem das 900-Megahertz-Band. Das ist physikalisch gesehen Gold wert. Die Wellen kommen super durch dicke Wände und decken in der Fläche riesige Gebiete ab. Deshalb wird es heute noch oft als "Fallback" genutzt. Wenn du irgendwo im tiefsten Wald stehst und kein LTE hast, rettet dir oft das E auf dem Display den Balken zum Telefonieren. "E" steht übrigens für EDGE, eine Weiterentwicklung von 2G.
6:59 Jackson: Ah, EDGE! Das kenn ich noch. Das war doch dieses quälend langsame Internet, wo man ewig gewartet hat, bis sich eine Webseite aufgebaut hat, oder?
7:08 Miles: Ja, genau das meinte ich. EDGE war der Versuch, aus dem 2G-Netz mehr Datenrate rauszukitzeln. Es war sozusagen ein Zwischenschritt zu 3G. Man hat effizientere Codierungen genutzt und die Bitraten erhöht. Aber im Vergleich zu heute war das natürlich immer noch Schneckentempo. GPRS war da auch so ein Begriff – "General Packet Radio Service". Das hat den Grundstein gelegt, weil Daten zum ersten Mal in Paketen übertragen wurden, wie im Internet, und nicht mehr wie bei einem Telefonat, wo die Leitung die ganze Zeit "offen" bleiben muss.
7:38 Jackson: Also war 2G eigentlich das erste Mal, dass man überhaupt von "mobilem Internet" sprechen konnte, auch wenn es sich eher wie "mobiles Warten" angefühlt hat?
7:48 Miles: Unterm Strich ja. Aber für die damalige Zeit war es die Freiheit pur. Du konntest E-Mails abrufen, während du im Zug saßt – zumindest theoretisch, wenn die Verbindung stabil blieb. Aber die Abschaltung ist jetzt eben nötig, weil die Netzbetreiber wie Vodafone oder die Telekom den Platz im Frequenzspektrum brauchen. Wenn man 2G abschaltet, kann man diese wertvollen 900-MHz-Frequenzen für 4G und 5G umwidmen. Das erhöht die Kapazität und den Speed enorm, gerade auf dem Land.
8:16 Jackson: Aber was ist mit den Leuten, die noch alte Handys haben? Oder diese Notrufsysteme, die du vorhin erwähnt hast?
8:22 Miles: Das ist eben der Punkt. Wer noch ein "Ur-Handy" nutzt, das kein LTE kann, steht ab Sommer 2028 im Funkloch. Das betrifft auch ältere Alarmanlagen oder vernetzte Stromzähler im Keller. Vodafone will zwar für kritische Industrieanwendungen – also das Internet der Dinge, IoT – ein "Restnetz" bis Ende 2030 laufen lassen, aber für uns Privatkunden ist 2028 Schicht im Schacht. Da muss man echt mal in die Schublade gucken, was man da noch so rumliegen hat.
8:49 Jackson: Schon krass, wie eine Technik, die die Welt so verändert hat, jetzt langsam in Rente geht. Aber es macht ja Sinn, wenn wir dadurch Platz für das "echte" Internet von morgen bekommen.