4:56 Eli: Okay, Klarheit haben wir. Aber du hast gerade was von Energie gesagt. Manchmal hab ich die Klarheit, ich weiß genau: „Eli, du musst jetzt diesen Bericht fertigmachen“, aber ich häng trotzdem auf dem Sofa und scrolle durch mein Handy. Da fehlt mir doch dann der Antrieb, oder? Was machen High Performer da anders? Haben die einfach mehr Willenskraft?
5:15 Miles: Das ist eben der Clou: Es ist nicht unbedingt mehr Willenskraft, sondern ein höheres Gefühl der Notwendigkeit. Das ist ein Konzept, das mich echt zum Nachdenken gebracht hat. Es geht darum, dass Erfolg für diese Leute keine Option ist, sondern eine psychologische Notwendigkeit. Die sagen nicht: „Es wäre schön, wenn das klappt“, sondern: „Ich muss das schaffen, weil es für mich und meine Mission alternativlos ist.“
5:38 Eli: „Müssen“ klingt aber auch ganz schön nach Druck, oder? Ich weiß nicht, ob das so gesund ist, wenn man sich ständig diesen Druck macht, dass alles klappen muss. Das klingt nach Stress pur.
5:46 Miles: Da muss man halt unterscheiden. Es gibt destruktiven Druck, der von außen kommt, also die Angst vor Strafe oder das Bedürfnis nach Anerkennung. Und es gibt diese innere Notwendigkeit. Stell dir mal vor, du musst jemanden retten, den du liebst. Da fragst du dich auch nicht, ob du gerade motiviert bist oder ob du lieber auf der Couch liegen bleibst. Du tust es einfach, weil es notwendig ist. High Performer schaffen es, dieses Gefühl auf ihre beruflichen Ziele zu übertragen. Sie verknüpfen ihre Aufgaben mit einer tieferen Bedeutung, die über sie selbst hinausgeht.
6:16 Eli: Also ist das Geheimnis eigentlich, den Einsatz zu erhöhen? Dass es einem eben nicht mehr egal ist, ob man liefert oder nicht?
2:03 Miles: Ja, genau das mein ich. Es gibt da so eine Untersuchung, die zeigt, dass High Performer oft eine soziale Verpflichtung spüren. Die arbeiten nicht nur für sich selbst, sondern für ihr Team, ihre Familie oder eine Community, der sie dienen wollen. Wenn andere von deiner Leistung abhängen, dann steigt dein Level automatisch. Man will die Leute halt nicht hängen lassen. Das ist ein unglaublich starker Motor.
6:43 Eli: Das kenne ich tatsächlich von mir selbst. Wenn ich weiß, dass mein Team auf meine Zuarbeit wartet, bin ich viel fokussierter, als wenn ich nur für mich allein an einem Hobbyprojekt bastle. Da ist dieser „positive Druck“, von dem du sprichst.
6:55 Miles: Eben drum. Man kann das sogar aktiv steuern. Wenn du merkst, dass du bei einer Sache schluderst, dann erzähl jemandem davon, den du respektierst. Geh eine öffentliche Verpflichtung ein. Das erhöht die soziale Notwendigkeit. Wir Menschen sind halt soziale Wesen – wir hassen es, wenn unser Ansehen sinkt, weil wir unsere Versprechen nicht halten. High Performer nutzen diesen Mechanismus ganz bewusst für sich, anstatt unter ihm zu leiden.
7:17 Eli: Aber führt das nicht dazu, dass man sich total übernimmt? Wenn alles „notwendig“ ist, wo zieht man dann die Grenze? Man kann ja nicht in jedem Lebensbereich auf 150 Prozent laufen.
7:27 Miles: Guter Punkt. Das ist die Gefahr. Aber deshalb ist die Klarheit, über die wir vorhin gesprochen haben, so wichtig. Du musst halt wissen, *wofür* du diese Notwendigkeit erzeugst. Man kann das nicht für jeden Kleinkram machen. Man muss Prioritäten setzen. Ein High Performer weiß genau: „In diesem Projekt ist Exzellenz notwendig, beim Wocheneinkauf reicht es, wenn er erledigt ist.“ Es geht darum, die Intensität dort hochzufahren, wo sie die größte Hebelwirkung hat.
7:52 Eli: Das heißt, man muss lernen, die eigene Intensität wie einen Dimmer zu bedienen? Mal voll aufdrehen, wenn es drauf ankommt, und dann wieder runterregeln?
8:00 Miles: Perfekt ausgedrückt. Und genau da kommt noch ein Aspekt ins Spiel: die Erwartung an die eigene Leistung. High Performer gehen mit der festen Überzeugung an eine Sache ran, dass sie es schaffen können. Das ist kein naiver Optimismus, sondern ein tiefes Vertrauen in die eigene Kompetenz, gepaart mit der Notwendigkeit, abzuliefern. Wenn du glaubst, dass es unmöglich ist, wirst du nie das Gefühl der Notwendigkeit entwickeln. Warum solltest du dich für etwas aufreiben, das sowieso zum Scheitern verurteilt ist?
8:25 Eli: Stimmt, das macht Sinn. Also ist es so eine Mischung aus: „Ich muss es tun“ und „Ich kann es tun“. Wenn beides zusammenkommt, dann entsteht wohl dieser Sog, den wir bei erfolgreichen Leuten oft beobachten.
8:36 Miles: Ganz genau. Und wenn dieser Sog erst mal da ist, dann brauchst du plötzlich gar nicht mehr so viel Disziplin, wie man immer denkt. Du handelst einfach, weil dein Gehirn gar keine andere Option mehr in Erwägung zieht. Das ist der Moment, wo Arbeit anfängt, sich wie Flow anzufühlen, auch wenn sie anstrengend ist.