Der Mensch als Baustelle – Willkommen im Metahumanismus
Jackson: Moin zusammen! Schön, dass ihr dabei seid. Miles, ich hab neulich mal wieder über diesen Satz von Francis Fukuyama nachgedacht, dass der Transhumanismus die gefährlichste Idee der Welt sei . Und dann stolpere ich über Stefan Lorenz Sorgner, einen deutschen Philosophen, der sagt: Moment mal, eigentlich ist das alles gar nicht so düster, wie wir uns das immer ausmalen. Er spricht vom Metahumanismus. Und ich dachte erst so: Okay, noch ein „Ismus“ – brauchen wir das wirklich? Aber je mehr ich reingelesen habe, desto mehr hab ich gemerkt, dass es da um viel mehr geht als nur um Chips im Kopf. Es geht darum, wie wir uns als Wesen überhaupt definieren.
Miles: Ja, das ist halt der Punkt bei Sorgner. Er ist ja nicht einfach nur irgendein Technik-Fan, sondern ein echter Schwergewichtler in der Philosophie – hat in London, Durham und Jena studiert und lehrt jetzt in Rom . Und was er macht, ist im Grunde eine Bestandsaufnahme unserer Existenz im Jahr 2026. Er sagt uns: Wir stecken mitten in einer Transformation, die wir oft gar nicht als solche wahrnehmen. Der Metahumanismus ist für ihn so was wie der „Weg dazwischen“ . Er schaut sich an, was jenseits des klassischen Humanismus liegt, den wir aus der Schule kennen – also dieses Bild vom Menschen als Krone der Schöpfung, der alles mit seiner Vernunft kontrolliert.
Jackson: Genau, dieser klassische Humanismus, der uns sagt, dass wir autonom sind, einen freien Willen haben und irgendwie über der Natur stehen. Aber wenn man mal ehrlich ist: Wir optimieren uns doch eh schon die ganze Zeit, oder?
Miles: Eben! Das ist ja das Spannende. Sorgner und sein Kollege Jaime del Val haben vor über fünfzehn Jahren dieses „Metahumanistische Manifest“ geschrieben . Und wenn man das heute liest, merkt man erst, wie aktuell das ist. Die sagen halt, dass der Mensch kein feststehendes Ding ist, sondern ein Prozess. Ein „Feld von relationalen Kräften“, wie sie es nennen . Wir sind ständig in Bewegung, ständig in Beziehung zu unserer Umwelt, zu unserer Technik, zu anderen Arten.
Jackson: Aber ist das nicht genau das, was viele Leute abschreckt? Dieses Gefühl, dass wir uns auflösen? Dass es den „echten“ Menschen irgendwann nicht mehr gibt?
Miles: Na ja, Sorgner würde wohl sagen: Den „echten“, statischen Menschen gab es so nie. Das war halt ein Narrativ des Humanismus, das uns geholfen hat, die Welt zu ordnen. Aber heute, wo wir über Gen-Technik, KI und Daten-Netzwerke sprechen, bricht dieses alte Bild eben zusammen. Der Metahumanismus versucht, das nicht als Katastrophe zu sehen, sondern als Chance, die Welt nicht mehr so strikt in „Subjekt“ und „Objekt“ oder „Mensch“ und „Natur“ zu unterteilen .
Jackson: Das klingt jetzt erst mal sehr abstrakt. Aber ich finde es krass, wie er das erdet. Er zieht ja eine Linie von der Antike über Nietzsche bis heute . Und da fängt es an, richtig spannend zu werden, weil er zeigt, dass diese Sehnsucht nach Selbstüberwindung eigentlich tief in unserer Kultur steckt. Das ist doch ein super Aufhänger, um mal zu schauen, wo wir eigentlich herkommen und warum wir heute so heftig darüber diskutieren, ob wir unsere eigene Evolution in die Hand nehmen sollten.











































