8:14 Lena: Miles, wenn mein Körper eigentlich ein Fluss ist, der ständig seine Atome austauscht, dann fühlt sich die Welt plötzlich viel weniger „fest“ an. Chopra spricht ja oft von der „Quantensuppe“. Er sagt, da draußen gibt es eigentlich keine Farben, keine Gerüche, keine festen Stoffe. Nur eine formlose, fließende Energie. Und wir – unser Bewusstsein – sind es, die daraus eine feste Realität „kristallisieren“. Ist das nicht genau das, was die Quantenphysik sagt?
8:45 Miles: Ja, absolut. Er bezieht sich da oft auf Wissenschaftler wie Sir John Eccles. Die Idee ist: Was wir als „objektive Welt“ wahrnehmen, ist eigentlich ein Resultat unserer Messung oder Wahrnehmung. Wir sind wie König Midas. Alles, was er berührte, wurde zu Gold, und deshalb konnte er nie wissen, wie sich eine Rose wirklich anfühlt. Wir „berühren“ die Welt mit unseren Sinnen und machen daraus feste Objekte. Aber in Wirklichkeit ist es ein Feld unendlicher Möglichkeiten.
9:13 Lena: Das bedeutet aber auch, dass wir eine riesige Verantwortung haben, oder? Wenn wir die Welt durch unsere Wahrnehmung erst erschaffen. Er kritisiert ja den „Aberglauben des Materialismus“ sehr scharf. Diese Vorstellung, dass Moleküle zufällig herumschwirren und dann irgendwann als „Abfallprodukt“ Bewusstsein erzeugen. Er dreht das komplett um: Bewusstsein ist primär, und die Moleküle sind der Tanz, den das Bewusstsein aufführt.
9:38 Miles: Und dieser Tanz hat krasse Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Er sagt, unser Körper besteht eigentlich aus Ideen. Wenn wir zum Beispiel sagen „Ich könnte vor Freude platzen“, dann ist das nicht nur eine Metapher. In diesem Moment fluten chemische Botenstoffe, die durch diese Freude entstehen, jede einzelne Zelle. Die Immunzellen führen denselben „inneren Dialog“ wie die Hirnzellen. Er sagt sogar, der Bauch erzeugt die gleichen chemischen Substanzen wie das denkende Gehirn. Deshalb sind „Bauchgefühle“ auch keine Einbildung. Dein ganzer Körper „denkt“ mit.
10:10 Lena: Das erklärt auch, warum er so kritisch mit der modernen Medizin umgeht, wenn sie nur Symptome bekämpft. Er sagt, das sind oft nur „Zauberkügelchen“, die den zugrunde liegenden Prozess gar nicht berühren. Wenn Krankheit eigentlich ein gestörtes Muster im Bewusstsein oder im Quantenfluss ist, dann müssen wir auch auf dieser Ebene ansetzen. Er erwähnt da dieses Experiment mit den Kaninchen, das mich total berührt hat. Hast du das im Kopf?
10:35 Miles: Oh ja, das ist herzzerreißend und augenöffnend zugleich. Forscher wollten untersuchen, wie eine fettreiche Ernährung Arterienverkalkung auslöst. Alle Kaninchen bekamen das gleiche schlechte Futter, aber eine Gruppe blieb gesund. Sie konnten es sich erst nicht erklären, bis sie merkten: Der Typ, der diese spezifische Gruppe fütterte, hat die Kaninchen jedes Mal aus dem Käfig genommen, sie gestreichelt, geküsst und mit ihnen gesprochen. Liebe und Zuwendung haben den Stoffwechsel so verändert, dass das Gift im Futter ihnen nichts anhaben konnte.
11:06 Lena: Wahnsinn. Also ist Zärtlichkeit quasi ein biologischer Schutzschild? Das ist ja genau das, was er meint, wenn er sagt, dass wir Intelligenz-Impulse sind, die gelernt haben, einen Körper zu bilden. Nicht umgekehrt. Unsere Gedanken und Emotionen sind so mächtig, dass sie die physische Struktur verändern können. Er nennt das die „nicht-lokale“ Natur des Geistes. Mein Geist ist nicht in meinem Kopf eingesperrt. Er dehnt sich aus.
11:31 Miles: Genau, er sagt, der Geist ist überall und jederzeit als Informationsfeld vorhanden. Und er bringt das Beispiel mit den Pheromonen. Diese Lockstoffe sind ja chemische Entsprechungen unserer Emotionen, und sie hören nicht an unserer Haut auf. Wenn du einen Raum betrittst und eine „dicke Luft“ spürst, dann ist das nicht nur Einbildung. Das sind echte Moleküle, die Unruhe oder Angst transportieren. Pflanzen machen das auch – wenn ein Baum von Insekten befallen wird, warnt er über Pheromone den ganzen Wald, und die anderen Bäume fahren ihre Abwehrsysteme hoch.
12:01 Lena: Wir sind also Teil eines riesigen, unsichtbaren Netzwerks aus Informationen. Das erinnert mich an das, was er über das Universum als „kosmischen Körper“ sagt. Wenn wir ein Teil dieses Feldes sind, dann ist die Trennung zwischen „mir“ und „der Umwelt“ eigentlich künstlich. Er sagt ja, das Universum wird sich durch das menschliche Nervensystem seiner selbst bewusst. Wir sind quasi die Augen und Ohren des Kosmos.
12:26 Miles: Das ist eine wunderschöne Vorstellung, oder? Dass das Universum durch uns lernt, wer es ist. Aber dafür müssen wir eben diese „Lücke“ finden, von der er immer spricht. Die Stille zwischen den Gedanken. Da, wo die reine Energie sitzt, bevor sie zu Materie oder Problemen gerinnt. Er erzählt da diese krasse Geschichte von dem Mann, der einen Stromschlag mit 12.000 Volt überlebt hat.
12:47 Lena: Oh ja, der Typ, dem eigentlich das Bein amputiert werden sollte. Das war unglaublich. Er hat erzählt, dass er in dem Moment des Schlags in eine Sphäre von „reiner, grenzenloser Freude“ eingetaucht ist. Er war sich bewusst, dass er bewusst war – jenseits von Schmerz oder Identität. Und das Verrückte war: Er konnte diesen Zustand später willentlich wieder herbeiführen. Er ist in diese „Lücke“ gegangen und hat von dort aus seine Heilung gesteuert. Ihm ist tatsächlich ein neues Bein gewachsen, weil er an den Ort zurückgegangen ist, von dem aus die Natur alles erschafft.
13:20 Miles: Das zeigt, welches Potenzial in uns schlummert, wenn wir aufhören, uns als kleine, getrennte Egos zu sehen. Wir sind eigentlich Schöpfer, die vergessen haben, wie sie erschaffen. Aber diese Schöpferkraft hat viel mit dem zu tun, was wir „Zeit“ nennen. Chopra sagt ja, auch Zeit ist nur ein Konzept, das wir „metabolisieren“. Lass uns da mal im nächsten Schritt drüber reden, weil das unser ganzes Verständnis von Alter und Stress auf den Kopf stellt.